logseq_kauer/pages/Risikoplanung – und Manage...

7.5 KiB
Raw Blame History

  • MURPHY lebt und ist wohlauf - in deinem Projekt

  • Risikomanagement ist ein allgegenwärtiges Thema

    • Im Alltag
      • Wie viel Puffer für eventuelle Staus muss ich einplanen?
      • Soll ich mich gegen die Grippe impfen lassen oder nicht?
      • Wie viele Wecker soll ich mir vor dem Flug am frühen morgen stellen?
      • Bringe ich meinem Partner eine Kleinigkeit mit, wenn es mal wieder später wird im Büro?
    • Im Projekt
      • Aufgrund der Natur von Projekten ist jedes Projekt Risiken ausgesetzt
      • Risikopotential steigt mit wachsender Größe, Laufzeit und Komplexität von Projekten
      • Je kritischer ein Projekt für das Unternehmen ist, desto größer ist das Risikopotential
  • Leider sieht die Projektrealität häufig anders aus…

    • Über Risiken will keiner reden
      • Man möchte den Auftraggeber nicht schon am Anfang sagen, was alles schieflaufen kann
      • Personen, die auf mögliche Probleme hinweisen, werden häufig als Bedenkenträger abgetan
      • „Wenn es passiert, passiert es“ Mentalität
    • Wettbewerbssituation in der Angebotsphase
      • Zeitdruck in Ausschreibungsphasen
      • Sales und Entwicklungsteams häufig getrennt voneinander
      • Häufig Best Case Betrachtungen
    • Risiken und deren Umgang sind selten eingeplant und noch seltener budgetiert

Was kann Risikomanagement für mein Projekt tun?

- Transparenz über mögliche Herausforderungen schaffen
- Aktiver Umgang mit Problemen
- Auswirkungen von Problemen reduzieren
- Vermeidung des „Firefighting“-Modus
- Erlaubt schnelles Agieren in kritischen Situationen
- Notwendige Reserven identifizieren
- Risiken sind nicht nur negativ!
  • Wer trägt das Risiko?

    • Auf den ersten Blick abhängig vom Vertragstyp
    • Festpreis
      • Risiko liegt beim Auftragnehmer
      • Risikobetrachtung Teil der Angebotsphase
      • „Auftraggeber kann sich entspannt zurück lehnen…“
    • Dienstleistung
      • Risiko liegt beim Auftraggeber
      • Risikobetrachtung ist Aufgabe des Auftraggebers
      • Auftragnehmer kann sich auf die Umsetzung konzentrieren…
    • Ist in Wahrheit nicht so einseitig zu betrachten…
    • Festpreis
      • Auftragnehmer hat großes Interesse einen externen „Schuldigen“ bei Problemen zu suchen
      • Starke Absicherung des Projektes über Annahmen und Beistellleistungen
      • Auftraggeber hat das Risiko, dass das Ergebnis nicht zu den vereinbarten Bedingungen umgesetzt wird
    • Dienstleistung
      • Auftraggeber legt großes Augenmerk einen externen „Schuldigen“ bei Problemen zu suchen
      • Starke Überwachung des Projektes durch den Auftraggeber notwendig
      • Auftragnehmer hat das Risiko seinen Pflichten nicht nachgekommen zu sein
  • Risikomanagement ist in beiden Fällen von gemeinschaftlichen Interesse

  • Was sind typische Risikofelder?

    • Projekt
      • Technische Abhängigkeiten
      • Personelle Abhängigkeiten
      • Terminliche Abhängigkeiten
      • Negative Stakeholder
      • Vertragliche Abhängigkeiten
      • Politische Faktoren
      • Getroffene Annahmen
    • Risiken müssen sich auf mindestens einen der drei Kernaspekte auswirken
      • Was könnte das Budget gefährden?
      • Was könnte die Timeline gefährden?
      • Was könnte den Scope gefährden?

Was sind Risikoplanung und -management?

- Risikoplanung legt Maßnahmen fest, wie grundsätzlich mit Risiken umzugehen ist
	- Wann werden Risiken betrachtet
	- Wer ist beteiligt
	- Festlegen von Metriken
	- Risikobereitschaft des Unternehmens berücksichtigen
- Risikomanagement behandelt die konkreten Risiken
	- Identifizieren
	- Bewerten
	- Gegenmaßnahmen evaluieren
	- Überwachung
- Risikoplanung ist die Basis eines erfolgreichen Risikomanagements
  • Wie identifiziere ich Risiken?

    • Nutzen von Erfahrungen
      • Erfahrungswerte vergleichbarer Projekte nutzen
      • Brainstorming im Team
      • Was wäre wenn-Szenarien durchspielen
      • Gespräche mit relevanten Stakeholder
    • Nutzen von Dokumenten
      • Aktuellen Projektauftrag / Projektziele sichten
      • Dokumentationen früherer Projekte sichten, z.B.
        • Aufträge und Abschlussberichte
        • Risikoregister
        • Change Requests
        • Issue-Listen
        • Lessons-Learned
      • Dokumentation in einer Risikomatrix
  • Wie bewerte ich Risiken?

    • Qualitative Risikobewertung
      • Initiale Einschätzung der Risiken
      • Einschätzen der Auswirkungen auf das Projekt
      • Häufig „Glaskugellesen“
      • Dient der Priorisierung der Risiken
      • Showstopper identifizieren
    • Quantitative Risikobewertung
      • Tiefgreifende Analyse kritischer Risiken
      • Bewerten unterschiedlicher Lösungsszenarien
      • Identifizieren des finanziellen Wertes des Risikos
    • Meistens baut die quantitative Risikobewertung auf der Qualitativen auf

Wie bewerte ich Risiken? (Qualitativ)

- Identifizieren der grundsätzlichen Gewichtung des Projekts (Einmalig)
	- Budget/Time/Scope
	- Festlegen einer Berechnungsgrundlage
- Einschätzen des einzelnen Risikos
	- Eintrittswahrscheinlichkeit
	- Auswirkungen auf Budget/Time/Scope
	- Trigger verstehen
- Festlegen des Umgangs mit dem Risiko
	- Mögliche Gegenmaßnahmen
	- Wann werden diese ausgelöst
	- Einen Owner festlegen
- Dokumentation der Einschätzungen
	- Abstimmen der Ergebnisse mit relevanten Stakeholdern
  • Wie bewerte ich Risiken? (Quantitativ)

    • Evaluieren sämtlicher Faktoren, die durch den Eintritt des Risikos entstehen
      • Aufwände durch notwendige inhaltliche  Anpassungen
      • Aufwände durch Neuplanungen
      • Aufwände durch Genehmigungsprozesse
      • Sonstige Folgekosten, wie z.B.
        • Hardware, Lizenzen,
        • Reisekosten
        • Pönalen
    • Expected Monetary Value (EMV) - Analysen
      • Gesamtkostenbetrachtung des Risikos
      • Komplettes durchspielen des Vorfalls mit allen Konsequenzen
      • Dient zur Bestimmung des finanziellen Wertes eines Risikos
        • Risikokosten * Eintrittswahrscheinlichkeit = Risikowert
        • z.B. 50.000€ * 40% = 20.000€

Wie können mögliche Gegenmaßnahmen aussehen?

- ### Risiko Vermeidung  „dann eben nicht“, z.B.
	- Nutzen eventueller Alternativen (Anbieter wechseln, Andere Technologie einsetzen, …)
	- Im Extremfall - Projekt abbrechen
- ### Transfer an dritte  „dein Problem ist nicht mein Problem“, z.B.
	- Nutzen von Subcontractoren (Werkverträge)
	- Abschließen von Versicherungen
- ### Abmildern des Risikos  „das kleinere übel nehmen“, z.B.
	- Einplanen zusätzlicher Tests
	- Zeitliche Puffer einplanen
- ### Akzeptieren des Risikos  „das ist halt so“  bedeutet zumindest
	- Vorhalten entsprechender finanzieller Reserven
	- Bewusstsein über mögliche Verschiebungen
  • Was tun bei komplexeren Problemstellungen

    • Entscheidungsbäume
      • Bei Alternativen für mehrstufige Entscheidungen
      • Evaluierung der sinnvollsten Alternative unter Einbeziehung der jeweiligen Kosten und Wahrscheinlichkeiten
    • Wissenschaftliche Theorien und Methoden nutzen, z.B.
      • Monte Carlo
        • Komplexe Computersimulation von Was-Wäre-Wenn-Szenarien unter Berücksichtigung verschiedener Variablen
      • Tornado Diagramme
        • Dient der Sensitivitätsanalyse
        • Identifiziert die größten Einflussfaktoren
    • Nutzen spezialisierter Risikomanagement Tools
  • Risiken können sich verändern

    • Risikomanagement ist kein einmaliger Vorgang
      • Neue Risiken können entstehen
      • Bestehende Risiken können sich verändern
      • Identifizierte Risiken können sich lösen
    • Regelmäßige Reviews des Risikoregisters, z.B.
      • Bei Abschluss einer Projektphase
      • Bei Erreichen eines wichtigen Meilensteins
      • Neue, relevante Risiken kurzfristig kommunizieren
  • Anlagen